Jan
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„Das Fax überlebt die E-Mail wie die Schallplatte die CD“: Interview mit Dr. Hartmut Fetzer – 5

5. und letzter Teil des Interviews mit Dr. Hartmut Fetzer

Hartmut Fetzer, zuletzt Vorstand der Ferrari electronic AG, ist zum 31. Dezember 2011 nach achtzehn Jahren aus dem Tagesgeschäft des Unternehmens ausgeschieden. Zuvor war er unter anderem bei Nixdorf auf Vorstandsebene tätig. In einem Gespräch mit Michael Kausch spricht er über seinen Weg von der Starkstromtechnik zu Unified Communications, seine Entwicklung vom Wissenschaftler zum mittelständischen Unternehmer und über Produktstrategien in großen und kleinen Unternehmen.

Im letzten von fünf Teilen redet Hartmut Fetzer über die Vorteile einer pragmatischen Produktpolitik und darüber, wie sich vermeintlich veraltete Technologien in Goldgruben verwandeln können. (Hier sind Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 des Interviews verfügbar.)

Interview Fetzer 5
Hartmut Fetzer (rechts) mit seinem Nachfolger Stephan Leschke, Vorstand Ferrari electronic auf dem Partnertag 2011

*

Was ändert sich nun in dem Haus von Ferrari electronic in Teltow?

Zu meiner großen Freude haben wir mit Stephan Leschke seit Oktober ein neues Vorstandsmitglied. Mit Jahresbeginn 2012 übernimmt er bestens eingearbeitet meine Rolle bei der Ferrari electronic.

Was ist Ihre Vermutung, wo geht es in zehn Jahren mit Ferrari electronic hin?

Da kann man kaum eine Aussage treffen. Vor fünfzehn Jahren spielte E-Mail noch kaum eine Rolle. Dann schien es eine Konkurrenz für das Fax zu sein. Am Ende lebt nun beides nebeneinander her.

Ist Ferrari electronic vom Fax abhängig?

Obwohl wir die deutschen Fax-Spezialisten sind, lebt die Firma eigentlich nicht vom Fax oder Unified Communications, sondern davon, ein Thema perfekt vorzubereiten. Es geht um die Fähigkeit, Trends zu erkennen: Was ist wichtig, was weniger? Einige unserer Mitarbeiter sind seit zwanzig Jahren dabei, bestimmt die Hälfte seit zehn Jahren. Wir haben ein hervorragendes Know-How in unterschiedlichen Gebieten, wie Kommunikationssoftware, Hardware, Linux, Schaltkreise und bei der Integration in unterschiedliche Systemwelten.

Wir haben da auch eine Philosophie, möglichst viel selbst zu machen. Das kommt vielleicht auch von unserer Historie mit Nixdorf: Dort gab es sogar eine hauseigene Baufirma! Die einheitlichen Schrankwände wurden selbst gemacht. Um das Design der Mahagoni-Schreibtische hat sich Heinz Nixdorf selbst gekümmert. Von denen haben wir noch einige hier in Teltow. Das ist natürlich in letzter Konsequenz aberwitzig. Aber bei vielen Dingen gilt wirklich: Keiner kann das so gut wie wir selbst. Wir schreiben beispielsweise unsere Handbücher. Anfangs haben wir auch die Leiterplatten selbst gelötet, hatten dafür eine alte Lötmaschine aus einer Konkursmasse gekauft. Heute gibt es dafür neue Technologien, und wir lassen das extern machen. Unter dem Strich steht: Mit diesen Mitarbeitern werden wir uns immer an die Marktentwicklung anpassen können. In den letzten Jahren ist das sehr gut gelungen. Es ging der Firma noch nie so gut. Vorher haben wir auch manchmal etwas verschlafen.

Fax bleibt das Brot-und-Butter-Geschäft?

Mit unserem Thema Fax, das zwischenzeitlich so bedroht schien, haben wir im Jahr 2010 zweiundzwanzig Prozent Wachstum erwirtschaftet, 2011 um die zehn Prozent. Es gibt jede Menge großer Ausschreibungen von Endkunden und großen Systemhäusern. Da ist noch Musik drin. Das schönste ist, in einem Markt der letzte Mohikaner zu sein. Dann sind die Preise am besten. Unsere neueren Unified-Communications-Produkte, etwa für das Microsoft Lync-Umfeld, holen da umsatzmäßig erst langsam auf. Ich glaube, das Fax überlebt die E-Mail wie die Schallplatte die CD. Ich habe übrigens nichts gegen die CD. Ich hatte den ersten CD-Spieler in ganz Berlin!

Den von Philips?

Nein, von Sony.

Ich dachte der erste war von Philips!

Nur in Europa. Den Sony CD-Player habe ich mir direkt in Tokio geholt, da gab es die Philips-Geräte in Deutschland nicht. Die Auswahl an Titeln in dem Laden war gering. Ich nahm sieben Klassik-CDs mit. Das Gerät lief auf 110 Volt, ich brauchte einen Adapter. Also: Nichts gegen die CD. Aber keine CD hat die gleiche Dynamik wie eine direkt geschnittene Schallplatte auf einem Plattenspieler mit einem ordentlichen Tonabnehmer. Die Schallplatte bleibt – für Connaisseure.

Oder nehmen Sie Nadeldrucker. Nixdorf hat die bereits produziert. Später gab es für schlappe 200 Mark welche von Epson, da stiegen die meisten Firmen aus dem Geschäft aus. Neuere Technologien – Tintenstrahl, Laser – haben die Nadeln abgelöst. Viele Firmen brauchen aber Nadeldrucker für ihre Lieferscheine. Nur mit Nadeln gibt es Durchschläge. Heute gibt es noch genau zwei Firmen, die Nadeldrucker herstellen. Und die verdienen sich eine goldene Nase – natürlich in einem begrenzten Markt

Besteht die Stärke Ihres Unternehmens in dieser pragmatischen Herangehensweise? Wer von einer einzigen starken Vision getragen wird, kann auch in einer einzigen Krise alles verlieren? Sie fangen einfach immer mal wieder neu an?

Ja, wir sind vom Know-How einfach robust aufgestellt. Und bei unserem Finanzgebahren ist es eigentlich das gleiche. Wir haben 80 Prozent Eigenkapital, haben noch nie eine Mark oder einen Euro Zinsen gezahlt.

Und wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?

Oh, ich habe gerade heute einen Beratervertrag mit der Ferrari electronic AG abgeschlossen (lacht). Aber das mache ich nicht lange. Dann werde ich wieder Unternehmer (lacht).

Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute!

*

(Michael Kausch ist Gründer und CEO der PR-Agentur vibrio. Mitarbeit: Freddy Staudt)

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